Bd. 5 · 2025S. 153–165
Europäisch · Vergleichsartikel
Sprachideologien und Sprachkritik in europäischer Perspektive
Sprachideologische Diskussionen und Diskurse sind in den hier behandelten Sprachen (also im Deutschen, Englischen, Französischen, Italienischen und Kroatischen) an Vorstellungen der soziokulturellen Identität gebunden. Im Vordergrund stand und steht für metakommunikativ reflektierende Sprachdenker, Sprachgemeinschaften oder Sprachinstitutionen meist die Frage der adäquaten Repräsentation dieser Identität durch Sprache. Im fünften Handbuchband verbinden wir das Konzept der Sprachideologien mit dem der Sprachkritik, um sprachkritische bzw. sprachreflexive Text- und Gesprächspraktiken und die damit verbundenen kognitiven, mentalitätsbezogenen und attitudinalen Dimensionen soziokulturell geprägter Sprech- bzw. Schreibkollektive zu erfassen. Die These des vorliegenden Bandes ist, dass Formen der Sprachkritik im unmittelbaren Wechselverhältnis zu Sprachideologien stehen. Im Vergleichsartikel arbeiten wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und orientieren uns dabei an folgenden sprachideologisch relevanten Bereichen: Etablierung von Volks- bzw. Nationalsprachen, die u. a. die Varietätenvielfalt und damit einhergehende Prestigefragen tangiert, Sprachpflege, Sprachpurismus, Sprachdenker, Gelehrtenkreise, Sprachakademien und andere Autoritäten (Wörterbücher, Grammatiken) sowie Formen der Gesellschaftskritik.
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25218
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Gvozdanović, Jadranka / Jacob, Katharina / Münch, Vanessa (2025): Sprachideologien und Sprachkritik in europäischer Perspektive. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 153–165. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25218
Einzelsprachliche Artikel zum Thema
Bd. 5 · 2025S. 221–232
Einzelsprachlich · Deutsch
Sprachideologien und Sprachkritik im Deutschen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25225
Abstract
In diesem Artikel werden Sprachideologien vorgestellt, die in der Germanistik prominent reflektiert werden und die mit Formen der Sprachkritik verbunden sind. Diese Sprachideologien sind eng verknüpft mit Meilensteinen der Standardisierung des Deutschen, mit Überlegungen zur Varietätenvielfalt und damit verbundenen Prestigefragen, mit der Bildung einer Nationalsprache sowie mit der Spannung zwischen ‚Laien‘- und Expertenrollen, die im 21. Jahrhundert zunehmend in eine Verwissenschaftlichung des Diskurses sowie in eine zunehmende Diskussion darüber mündet, ob Sprache ideologisch, ideologiebelastet oder ideologiefrei ist oder sein soll. Sprachbilder eignen sich als Kondensate soziokulturell verankerter Sprachideologien, um verfestigte Konzepte über Sprache herauszuarbeiten, und sind in der Germanistik ein typischer sprachhistorischer Bezugspunkt, um Sprachideologien zu untersuchen. Der Artikel illustriert daher punktuell die Funktion von Sprachbildern am Sprachbild der Pflanze, das sich als relativ konstantes Muster vom 17. Jahrhundert bis heute beobachten lässt.
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Jacob, Katharina / Münch, Vanessa / Scharloth, Joachim (2025): Sprachideologien und Sprachkritik im Deutschen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 221–232. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25225
Bd. 5 · 2025S. 285–301
Einzelsprachlich · Englisch
Sprachideologien und Sprachkritik im Englischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25229
Abstract
Die Sprachideologie bezieht sich auf eine Reihe von Vorstellungen davon und Überzeugungen darüber, wie Sprache zu verwenden ist, ihre Sprecher und die diskursiven Praktiken in dieser Sprachgemeinschaft. Diese Ideologie impliziert ein gewisses Maß an Konsistenz in einer Sprache und ihren standardisierten Normen und dass jede Abweichung von diesen Normen als ‚weniger als das Ideal‘ angesehen werden kann (vgl. den Grundlagenartikel in diesem Band). In diesem Artikel wird ein Überblick darüber gegeben, wie sich der ‚ideale‘ Gebrauch der englischen Sprache im Laufe der Zeit verändert hat und welchen Einfluss verschiedene soziokulturelle Ereignisse in der Geschichte auf diese Entwicklungen hatten, wobei der Schwerpunkt auf der Aussprache liegt. Es wird erörtert, wie das fast imaginäre Konzept eines gesprochenen Standards in der Geschichte des (britischen) Englisch entstanden ist. Ein gesprochener Standard, der als Received Pronunciation (RP) bezeichnet wurde, bildete ein Modell, das von der sozialen Schicht, der Geografie und dem Bildungsniveau beeinflusst wurde. Die Dominanz des RP wurde noch verstärkt, als sie 1922 von den Rundfunkanstalten der British Broadcasting Corporation (BBC) übernommen und als BBC-English bezeichnet wurde, mit dem Ziel, einen neutralen Sprachgebrauch zu verwenden, der für ein breites Publikum leicht verständlich ist. Faktoren wie die Verschiebung der sozialen Schicht und die Hegemonie der Sprachen sowie technologische Fortschritte haben dazu beigetragen, dass immer mehr Varietäten des Englischen akzeptiert werden und negative Einstellungen gegenüber weniger bekannten Akzenten und Dialekten oder nicht standardmäßigem Sprachgebrauch abgebaut werden, insbesondere im heutigen Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Den vollständigen, zitierfähigen Arti kel kostenlos lesen oder herunterladen.
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Dumrukcic, Nina / Du Bois, Sophie / Busse, Beatrix / Grebe, Ronja (2025): Sprachideologien und Sprachkritik im Englischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 285–301. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25229
Bd. 5 · 2025S. 371–384
Einzelsprachlich · Französisch
Sprachideologien und Sprachkritik im Französischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25234
Abstract
Der Begriff der Sprachideologie ist in Frankreich zumeist negativ konnotiert. Eine der wichtigsten sprachideologischen Auseinandersetzungen, die auch in der französischen Öffentlichkeit entsprechende Aufmerksamkeit erhält, ist die Frage des sprachlichen Standards. In dieser Debatte kommt es nicht selten zur Herabstufung anderer Sprachen und anderer Varietäten des Französischen (oftmals unter dem wenig spezifischen Begriff der patois zusammengefasst). Neben dem Standard werden in den sprachideologischen Diskussionen und Diskursen Aspekte herausgestellt, die sich im imaginaire zahlreicher Sprechenden verankern, so beispielsweise die Vorstellung der einzigartigen Klarheit der französischen Sprache. Aber auch die Zurückweisung von Entlehnungen im Kontext von Fremdwortpurismus, insbesondere von Anglizismen, wird in sprachideologische Diskussionen eingebunden, an der in gewissem Rahmen bis heute auch die Académie française beteiligt ist. Aktuell wird zudem die Frage der écriture inclusive sprachideologisch geführt. In der Bewertung bzw. Zurückweisung des inklusiven Schreibens spielen die Argumente der Konfusion, der Unleserlichkeit oder der möglichen Schwierigkeiten in der Aussprache eine entsprechende Rolle. In zahlreichen sprachideologischen Debatten wird eine Autoritätsentscheidung von Seiten der Académie française eingefordert. Den vollständigen und zitierfähigen Artikel kostenlos lesen und herunterladen.
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Große, Sybille (2025): Sprachideologien und Sprachkritik im Französischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 371–384. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25234
Bd. 5 · 2025S. 441–451
Einzelsprachlich · Italienisch
Sprachideologien und Sprachkritik im Italienischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25239
Abstract
In der Republik Italien haben heute neben der Amtssprache Italienisch auf lokaler Ebene das Französische, das Deutsche, das Ladinische und das Slowenische kooffiziellen Status. Insgesamt genießen zwölf Minderheitensprachen einen Sonderstatus. Seit dem ausgehenden Mittelalter besteht ein ausgeprägtes Bewusstsein darüber, dass sich natürliche Sprachen in Form verschiedener Varietäten manifestieren. Der allmähliche Prozess der Überdachung der unterschiedlichen Mundarten durch das Florentinische wurde beständig von wertenden positiven wie negativen Stellungnahmen begleitet. Diese lassen sich zwei komplementären Strömungen zuordnen. Während die eine dem Monolinguismus verpflichtet ist und eine literarisch-ästhetische bzw. später ideologisch-politische Argumentationslinie verfolgt, ist die andere pluralistisch ausgerichtet. Die Aushandlungen im Zusammenhang mit der Varietätenvielfalt sind ebenso wie die im Laufe der Jahrhunderte vorkommenden und konkurrierenden Glottonyme, die Bezeichnungen für sprachliche Minderheiten, die Positionierungen gegenüber dem angloamerikanischen Einfluss oder auch die Diskussionen um Normverschiebungen im Sinne der sog. political correctness Ausdruck und Träger von sprachlichen Ideologien, die hier exemplarisch präsentiert werden.
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Lobin, Antje (2025): Sprachideologien und Sprachkritik im Italienischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 441–451. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25239
Bd. 5 · 2025S. 497–511
Einzelsprachlich · Kroatisch
Sprachideologien und Sprachkritik im Kroatischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2025.5.25244
Abstract
Alle neuzeitlichen Entwicklungsphasen des Kroatischen waren auf der Makroebene ideologisch geprägt. In der Renaissance des 16. Jahrhunderts wurden, der Ideologie der Renaissance entsprechend, die regionalen Sprachvarietäten der Küstenregionen Dalmatiens zur literarischen Hochsprache erhoben und entsprechend als ursprünglich und den anderen Hochsprachen ebenbürtig begründet. Die ganze Varietätsbreite wurde in die neue Literatursprache aufgenommen und stilistisch differenziert verwendet. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich zudem im Nordwesten eine kajkavische dialektale Literatursprache, die in den späteren Jahrhunderten überdialektal wurde, aber im späten 19. Jahrhundert außerhalb der gewählten Standardnorm blieb und nachher nur noch vereinzelt auftrat. An der adriatischen Küste entstand im 16. Jahrhundert eine čakavische, dialektal variierende Literatursprache. Anders war es im 17. Jahrhundert, als die čakavischen und štokavischen, später auch kajkavischen Dialekte und ihre Äußerungsformen als Teile einer Sprache und Träger derselben überregionalen Identität verstanden wurden. Seitdem entwickelten sich Bestrebungen einer überdialektalen Unifizierung, angefangen beim Čakavischen und Štokavischen bis hin zu einer hybriden Sprache der Schriftsteller (aus dem sog. Ozalj-Zirkel) an der Grenze des Kajkavischen, des Čakavischen und des Štokavischen im Westen. Die Idee eines gemeinsamen lexikalischen Guts führte zu integrativ konzipierten Wörterbüchern und teilweise hybriden Grammatiklösungen. Des Weiteren wurde die Sprache im 17. Jahrhundert zum Zwecke der katholischen Kontrareformation auf Befehl Roms normiert. Diese zweckbezogene Norm war nicht direkt inklusiv; sie war eine abstrakte, historisch und literarisch rekonstruierte Sprachnorm, die Varietäten als gleichwertige Implementierungsmöglichkeiten zuließ. Diese Norm wurde für Übersetzungen biblischer Texte geschaffen und diente der Identitätsschaffung und -begründung. Am Anfang des 19. Jahrhunderts kam die politische und kulturelle Ideologie der Staatssprache hinzu. Jetzt war die angestrebte sprachliche Norm nicht mehr abstrakt, sondern in der kulturellen Geschichte und dem politischen Idealbild des nationalen Staates verankert. Im 20. Jahrhundert diente die teils gewaltsam normierte gemeinsame Sprache der Kroaten und Serben (die die Bosnier, Herzegowiner und Montenegriner außer Acht ließ) der politischen Ideologie des Vielvölkerstaates, der nach dem Ersten Weltkrieg entstand und nach dem Zweiten Weltkrieg im Kommunismus bis 1991 andauerte. Seit den späten 1960er Jahren ebneten einzelsprachliche Normierungsrevivals, besonders in Kroatien, den Weg für die nationale und sprachliche Ideologie, die zum Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien führte. Die postjugoslawische Sprachideologie geht zurück zu den historisch attestierten Sprachwurzeln und ergänzt die historisch bedingte Identitätskonstruktion durch Abgrenzung von den konkurrierenden Varietäten.
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Gvozdanović, Jadranka (2025): Sprachideologien und Sprachkritik im Kroatischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 5, S. 497–511. DOI: 10.17885/heiup.heso.2025.5.25244
