Bd. 1 · 2017S. 31–34
Europäisch · Vergleichsartikel
Sprachnormierung und Sprachkritik in europäischer Perspektive
Der Artikel beschäftigt sich mit einem ganz spezifischen Blick auf Sprachnormen: Ausgehend von der Sprachnormenkritik der Germanistik fokussiert der Artikel die sozio-politischen Implikationen sprachlicher Normfragen. Der Terminus Sprachnormenkritik hat weder im Englischen noch im Französischen oder Italienischen und auch nicht im Kroatischen eine ausdrucksseitige Entsprechung. Das Konzept der ›Sprachnormenkritik‹ bzw. bestimmte Teilkomponenten sind dessen ungeachtet im Englischen, Französischen, Italienischen und Kroatischen seit Jahrhunderten in der Diskussion. Aus vergleichend europäischer Perspektive ist besonders interessant, dass nicht in jedem nationalsprachlichen Diskurs über Sprachnormen der unmittelbare Zusammenhang von sprachlichen Normen einerseits und sozio-ökonomischer Macht bzw. politischer Handlungsfähigkeit andererseits als korrelierende Phänomene diskutiert wird – und genau dies ist der Kern der ursprünglichen Sprachnormenkritik im Deutschen. Besonders eindrücklich lässt sich der politische Charakter der Sprachnormenkritik im Kroatischen demonstrieren. In den 1960er Jahren ist die Sprachnormenkritik im Kroatischen nicht nur eine Kritik, die degressiv erscheinende Zustände aufzudecken versucht, sondern vor allem eine progressive Kritik, die als Vorreiter der politischen Bewegung für die Unabhängigkeit Kroatiens angesehen werden kann.
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23716
Zitieren
Felder, Ekkehard / Schwinn, Horst / Jacob, Katharina (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik in europäischer Perspektive. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 31–34. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23716
Einzelsprachliche Artikel zum Thema
Bd. 1 · 2017S. 53–61
Einzelsprachlich · Deutsch
Sprachnormierung und Sprachkritik (Sprachnormenkritik) im Deutschen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23717
Abstract
Sprachnormen und Sprachnormierungsprozesse hängen unmittelbar mit Sprachreflexion und Sprachkritik zusammen. Entweder werden Sprachnormen und Sprachnormierungsprozesse linguistisch beschrieben oder linguistisch / laienlinguistisch bewertet. In der linguistisch begründeten Sprachkritik der 1980er Jahre wird unter dem Paradigma der Sprachnormenkritik der Prozess der Sprachnormierung beobachtet und beschrieben. Sprachnormen und Sprachnormierungsprozesse werden in sprachhistorischer Perspektive aber bereits viel früher in intellektuellen Kreisen reflektiert und kritisiert. Auch in gegenwärtiger Perspektive sind im laienlinguistischen Bereich Bestrebungen zu verzeichnen, mittels Sprachkritik Einfluss auf Sprachnormen und Sprachnormierungsprozesse zu nehmen. Seit den 2000er Jahren setzen sich wiederum Linguistinnen und Linguisten zum Ziel, Sprachnormen und Sprachnormierung zunächst zu beschreiben und dann nach linguistischen Kriterien zu bewerten. In dem Artikel wird ein Sprachnormenkritikbegriff vertreten, der auf einem Kontinuum von eher Ausdrucksmöglichkeiten abwägenden bis hin zu eindeutig positionsbezogenen Sprachbetrachtungen zu verorten ist, und sowohl die linguistische als auch die laienlinguistische Perspektive mit einbezieht. Unter Sprachnormenkritik wird hier also eine Reflexion der Sprachnormen und Sprachnormierungsprozesse verstanden, in der die Kriterien explizit (eher beschreibend oder eher bewertend) formuliert oder implizit praktiziert werden. Den vollständigen, zitierfähigen A rtikel ko stenlos lesen und herunterladen.
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Felder, Ekkehard / Schwinn, Horst / Jacob, Katharina (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik (Sprachnormenkritik) im Deutschen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 53–61. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23717
Bd. 1 · 2017S. 101–108
Einzelsprachlich · Englisch
Sprachnormierung und Sprachkritik im Englischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23718
Abstract
Der Artikel skizziert auszugsweise, wie sich die komplexe öffentliche Auseinandersetzung mit sprachlichen Normen im Englischen seit dem späten 16. Jahrhundert bis heute entwickelt hat. Diese Auseinandersetzung ist eng mit den Standardisierungs- und Kodifierungsprozessen des Englischen verknüpft und spiegelt die sich verändernden gesellschaftlichen Werte, welche sich im 18. und frühen 19. Jahrhundert im Verlauf der Industrialisierung und Urbanisierung sowie der Entstehung des Britischen Empire auf der einen und dem Erstarken der Vereinigten Staaten von Amerika auf der anderen Seite ausbildeten. Die verstärkt normativ-präskriptive Debatte des frühen 19. Jahrhunderts entwickelt sich im späten 19. sowie im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu einer deskriptiven und auf Varietätenvielfalt ausgerichteten sprachwissenschaftlichen Sicht, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Erkenntnisse der Sprachanthropologie und Soziolinguistik weiter angeregt wird. Dem steht in der Öffentlichkeit teilweise noch eine präskriptivere Sicht gegenüber, die sich in der Frage nach dem politisch korrekten Sprachgebrauch oder der Erhaltung eines präskriptiven Standards in der Schulerziehung ebenso findet wie in den Diskussionen um den angeblichen Niedergang des Englischen durch seine Rolle als internationale Verkehrssprache.
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Busse, Beatrix / Möhlig-Falke, Ruth / Vit, Bryan / Mantlik, Annette (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik im Englischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 101–108. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23718
Bd. 1 · 2017S. 117–121
Einzelsprachlich · Französisch
Sprachnormierung und Sprachkritik im Französischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23719
Abstract
Wenngleich das Konzept der Sprachnormenkritik selbst in der französischen (Wissenschafts-) Tradition nicht verankert ist, werden Sprachnormen in Frankreich in laienlinguistischer, philologischer und linguistischer Perspektive über die Jahrhunderte puristisch und präskriptiv diskutiert. Dies impliziert eine negative Bewertung zahlreicher Varianten des Sprachgebrauchs. Im Artikel wird dargelegt, welche Schwerpunkte die Sprachnormendiskussion seit dem 17. Jahrhundert prägten: Ist anfangs der ‚bon usage’ das den Diskurs bestimmende Konzept, rückt im 18. Jahrhundert und während der Französischen Revolution die Frage der angemessenen Umsetzung politischer und sozialer Ideen durch Sprache in der Debatte des abus des mots in den Mittelpunkt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wird der Zugang zur Schriftsprache durch die systematische Alphabetisierung erweitert. Zugleich tritt die Diskrepanz zwischen Normanspruch und Sprachwirklichkeit zutage (crise du français). Schwerpunkte der Sprachnormendiskussion im 20. Jahrhundert sind die Orthographie, die Lexik (Neologismen, Anglizismen), die Morphosyntax (z. B. Gebrauch des subjonctif) sowie die Phonologie (Diskussion um notwendige und unnütze Formen der liaison). Den vollständigen und zitierfähigen Artikel kostenlos lesen und herunterladen.
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Große, Sybille (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik im Französischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 117–121. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23719
Bd. 1 · 2017S. 129–133
Einzelsprachlich · Italienisch
Sprachnormierung und Sprachkritik im Italienischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23720
Abstract
Der Terminus ›Sprachnormenkritik‹ ist der italienischen Wissenschaftstradition völlig fremd und damit eigentlich unübersetzbar. In Bezug auf die wörtliche Übersetzung „critica delle norme linguistiche“ wird auch der Ausdruck „riflessioni sulla lingua“ vorgeschlagen.In der diachronen Perspektive war die Normenfragestellung des Italienischen mehrmals durch die sogenannte „questione della lingua“ in Angriff genommen worden. Solche mit dem Terminus Sprachnormenkritik verbundenen Fragenstellungen wurden von Puristen des Risorgimentos auch im Vorgriff auf die politische Einigung Italiens gestellt. Vor kurzem ist ein anderer wichtiger Beitrag der Accademia della Crusca im Rahmen des Bulletins „La Crusca per voi“ erschienen. Die neuesten Beiträge zu den „riflessioni sulla lingua“ heben einen progressiven Abbau des Polymorphismus in der Schriftsprache hervor, der in die Integration sprechsprachlicher Elemente in den Standard (mit einer zunehmenden Stärkung der Informalität der Sprache) und in die Regression eines monozentrischen toskanischen Modells mündet. Die Etablierung von neuen Formen geschieht in verschiedenen Kanälen: Identitätszuschreibung der Italianità im Zusammenhang mit der Toskaniesierung, Purismus in Bezug auf Fremdwörter, die sprachliche-legislative Rolle des Faschismus, die Rolle der Schulinstitutionen in der „educazione linguistica“ seit 1969 sowie die Rolle der Massenmedien für die Verbreitung des informellen Sprachgebrauchs.
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Radtke, Edgar / Larsen, Luisa (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik im Italienischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 129–133. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23720
Bd. 1 · 2017S. 141–147
Einzelsprachlich · Kroatisch
Sprachnormierung und Sprachkritik im Kroatischen
Volltext bei heiUP ↗ doi:10.17885/heiup.heso.2017.0.23721
Abstract
Sprachnormenkritik als Reflexion über die Angemessenheit der Sprache geht im Kroatischen bis in die Anfänge der Literatursprache in der Renaissance zurück. Die Reflexion über die Wahl der Varietät und Beschaffenheit des Kroatischen, basierend auf der Verbreitung und der Fähigkeit zum literarischen Ausdruck, geht implizit, im Sinne der Varietätenwahl, auf das späte 16. und frühe 17. Jh. zurück. Schon im Jahr 1595 entstand das Wörterbuch der „fünf edelsten Sprachen Europas“, darunter auch des Dalmatinischen Kroatischen von Faust Vrančić, das den Wortschatz mehrerer Varietäten beinhaltet. Neben diesem inklusiven Modell im Bereich der Lexik basieren die frühen grammatischen Überlegungen auf der Verbreitung und der kulturellen Bedeutung der Varietäten. Die erste Grammatik des Kroatischen datiert aus dem Jahr 1604 und wurde von dem kroatischen Naturwissenschaftler Bartol Kašić auf der Basis des meist verbreiteten Dialekts verfasst, obwohl dies nicht der ursprüngliche Dialekt des Verfassers war. Solche Überlegungen werden im 18. Jh. explizit formuliert und schaffen die Basis für die Standardisierung im 19. Jh. Seit der Kodifizierung am Anfang des 19. Jh. ist die Rede von der Sprachnorm (jezična norma). Die Termini Sprachkultur (jezična kultura) und sprachliche Korrektheit (jezična pravilnost) werden seit der (relativen) Etablierung der Sprachnorm Anfang des 20. Jh. verwendet. Explizite Sprachnormenkritik entsteht in den 1960er Jahren (Katičić 1963, 1965), wird in den 1970er Jahren atomistisch über vereinzelte sprachliche Äußerungen geführt, gewinnt jedoch in den 1980er Jahren an Schwung und ist seit den 1990er Jahren im Zuge der Neustandardisierung sehr prominent. In der neuesten Zeit, seit der Neuetablierung der kroatischen Norm, finden sich vermehrt Publikationen über die sprachliche Korrektheit (z. B. von Pranjković, 2010, Ogledi o jezičnoj pravilnosti ‚Betrachtungen über die sprachliche Korrektheit‘).
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Gvozdanović, Jadranka (2017): Sprachnormierung und Sprachkritik im Kroatischen. In: Handbuch Europäische Sprachkritik Online (HESO), Bd. 1, S. 141–147. DOI: 10.17885/heiup.heso.2017.0.23721
